Legal Tech – Gefahr oder Chance für den Rechtsanwalt?

Von 24. Januar 2018 Blog Keine Kommentare
Legal Tech

Kaum ein Wort hat im juristischen Bereich in den vergangenen Monaten so viel Aufmerksamkeit erregt wie der Begriff „Legal Tech“. Der Hype birgt aber auch Zweifel. Welche Auswirkungen hat die Innovation auf den klassischen Beruf des Rechtsanwalts? Kann Digitalisierung menschliche Prozesse ersetzen? Oder lassen wir uns hier von gekonntem Marketing täuschen?

„Wenn es um Legal Tech geht schlagen die Wellen oft hoch. Zu dem anfänglichen Hype um „DIE Innovation im juristischen Bereich“ liest man in den Medien heute oft auch kritische Zeilen, die der Digitalisierung ihre Zuverlässigkeit absprechen.“ Heinke . Skribe und Partner RAe warnen daher vor unreflektierter Urteilsbildung und raten zu einem realistischen, gut recherchierten Blick auf das komplexe Thema.

Kurz und knapp: Was ist Legal Tech?

Legal Tech ist die Begriffsbezeichnung zur Digitalisierung juristischer Prozesse. Juristische Algorithmen werden durch den Einsatz von Technik zu automatisierten, digitalen Abläufen. Digitalisierung beginnt dabei schon beim elektronischen Anlegen der Akten. Heute ist Legal Tech viel weiter. Das Angebot reicht von der Online Beauftragung durch den Mandanten bis zu Programmen zur automatisierten Erstellung von Schriftsätzen.

Der Vorteil entsteht auf beiden Seiten:

Legal Tech scheint so innovativ, dass die Möglichkeiten grenzenlos wirken. Sowohl für den Juristen als auch für den Mandanten bedeutet die Digitalisierung oft auch eine Vereinfachung von Prozessen. Bietet sich für beide Seiten eine nutzerfreundliche Bedienung, so kann wertvolle Zeit gespart werden. Besonders dort, wo Abläufe nach Schema funktionieren bietet es sich an, menschliche Handgriffe durch technische Prozesse zu ersetzen. Der Grund dafür ist einfach: Technik funktioniert schneller. Diesen Umstand stellen auch Heinke . Skribe und Partner RAe regelmäßig fest, die Legal Tech vorzugsweise bei der Bearbeitung von Sammelklagen einsetzen. Die Masse an Ansprüchen die die österreichische Kanzlei regelmäßig für Ihre Mandanten geltend macht, wäre ohne den Einsatz von intelligenter Technik nicht zu bewerkstelligen. Angst davor, sich durch die ständige technische Weiterentwicklung und Digitalisierung ihrer Kanzlei selbst den Job streitig zu machen haben die Rechtsanwälte nicht. „Technik funktioniert schneller – aber nur wenn sie richtig designet wurde“, sagt Rechtsanwalt Dr. Alexander Skribe. Er entgegnet dem Argument der Stellenverluste durch technischen Ersatz mit dem Statement, dass jedes neue Tätigkeitsfeld auch neue Arbeitsplätze schaffen kann. Legal Tech wird den Juristen nicht ihren Job abnehmen, aber er kann erleichtert werden. Damit Legal Tech aber funktioniert, wird es Menschen brauchen, die auf diesen Themenbereich spezialisiert sind. Programmierer, die nicht nur das juristische Know-How haben, sondern vor allem wissen, wie sie es digital abbilden können. Hier entsteht derzeit der Beruf des Legal-Engineers, der bei der Arbeit mit Legal Tech bald unerlässlich sein wird.

Heinke . Skribe und Partner RAe setzten sich bereits mit dem Thema Legal Tech auseinander lange bevor es „in Mode“ kam. Seit nunmehr sieben Jahren sind technischer Fortschritt und Digitalisierung aus der österreichischen Kanzlei nicht mehr wegzudenken. Stellenkürzungen standen dabei nie zur Diskussion, im Gegenteil: Der Einsatz von digitalen Prozessen und technischen Hilfsmitteln kann die Quantität der Aufträge steigern und die Arbeit erleichtern, darf aber auf keinen Fall einen Qualitätsverlust bedeuten. Entsprechend darf auf den persönlichen Kontakt zu den Mandanten keinesfalls verzichtet werden. Der Anwalt wird für seinen Mandanten immer eine Vertrauensperson sein und bleiben und auch in Zukunft nicht durch den „Roboter“ ersetzt werden. Wird Legal Tech sinnvoll eingesetzt, entstehen auch dem Mandanten Vorteile. Lästige Arbeitsprozesse, die nach dem immer gleichen Schema verlaufen, können digitalisiert und automatisiert werden. Dabei wird wertvolle Zeit gespart, die der Jurist anderweitig nutzen kann – beispielsweise im Mandantengespräch.

Beim Einsatz von Legal Tech von einer Gefahr für die juristische Arbeitswelt zu sprechen, wäre also überstürzt und vor allem undurchdacht. Technischer Fortschritt muss gezielt eingesetzt werden – unabhängig davon in welchem Bereich. Auch die juristische Arbeit mit Legal Tech soll behutsam geplant und stets kritisch betrachtet werden. Wer übermütig handelt, wird nicht davon profitieren. Wer aber bewusst und strategisch vorgeht und nicht ausschließlich nach Gewinnsteigerung strebt, wird mit Legal Tech seine Freude haben, kann seine alltägliche Arbeit erleichtern und qualitativ verbessern. Effizienz und Zeitersparnis sollten als zu erreichendes Ziel niemals aus den Augen verloren werden. Dann entstehen Chancen und Möglichkeiten für Jurist und Mandant.