Air Berlin Insolvenz – wenn Fluggastrechte nicht mehr wirken

Die Insolvenz der Fluglinie Air Berlin trifft nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Fluggäste. Heinke . Skribe + Partner RAe schildern die Rechte der Passagiere und deren Wirksamkeit.

Mit 15. August 2017 ging Air Berlin einen Schritt, mit dem Fluggastrechtsexperten wie die Kanzlei Heinke . Skribe + Partner RAe schon lange rechnen: die einst zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft meldet Insolvenz an. Überraschend kam diese Entscheidung nicht: Wer die jüngste Geschichte des Flugunternehmens mitverfolgte, konnte erkennen, dass Air Berlin bereits seit 2008 mit massiven finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat – daran konnte selbst ein kurzfristiger Gewinn im Jahr 2012 nichts ändern. Nur mit der finanziellen Unterstützung des Großaktionärs Etihad aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, konnte der Flugverkehr aufrechterhalten werden. Nachdem die letzte Finanzspritze ausfiel, erklärte sich Air Berlin am 15. August als zahlungsunfähig.

Eine Übernahme der insolventen Fluglinie durch die Lufthansa steht derzeit zwar fest, Experten rechnen aber mit einer Übergangsphase von mindestens sechs Monaten. Unregelmäßigkeiten sind in dieser heiklen Phase vorprogrammiert.

Wie hoch die Wellen wirklich sind, die eine solche Insolvenz schlägt, wird aber erst auf den zweiten Blick bewusst. Die Air Berlin Group beschäftigte zuletzt  rund 8.000 Mitarbeiter. Mit Personalkürzungen muss selbst im Falle einer Übernahme gerechnet werden. Neben dem Personal sind vor allem die Passagiere die Leidtragenden – insbesondere jene, die nun um ihren gebuchten Flug bangen müssen.

Flugstornierung / Ticketkostenrückerstattung

Früh gebuchte Flüge versprechen günstige Preise. Wer bei Air Berlin gebucht hat, bezahlt dafür oft teuer. Aufgrund der Insolvenz musste die zahlungsunfähige Airline bereits zahlreiche Strecken canceln, sowie ihr Langstreckenflugprogramm vollständig einstellen. Passagiere zittern um ihre gebuchten Flüge. „Grundsätzlich ist es dem Fluggast erlaubt, sein Ticket ohne der Angabe von Gründen zu stornieren. Entsteht der Airline dadurch kein Schaden, hat der Kunde Anspruch auf die Rückerstattung seiner Ticketkosten.“, informieren die Experten von Heinke . Skribe + Partner RAe. Was in der Theorie so positiv klingt, ist in der Praxis durch die Insolvenz stark getrübt: Air Berlin hat bereits angekündigt, dass Kosten die den Kunden vor der Insolvenz entstanden sind, nicht mehr nachträglich rückerstattet werden können. Ansprüche die danach geltend gemacht werden, fallen in die Insolvenzmasse – der Kunde wird also zum Gläubiger, wie viele andere auch.  Die Forderungen müssen dann beim Insolvenzverwalter angemeldet werden, und werden nach Wichtigkeit gereiht bearbeitet bzw. ausbezahlt. Ein solches Verfahren kann nicht nur Jahre in Anspruch nehmen, sondern wird für den Passagier mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ ausgehen.

Flugausfall / Flugverspätung / Ausgleichsleistung

Unregelmäßigkeiten im Flugplan der insolventen Airline sind spätestens seit August Gang und Gäbe. Heinke . Skribe + Partner RAe sind Spezialisten für Fluggastrechte im europäischen Raum und erklären die Rechtslage wie folgt: „Bei Flugausfällen, Überbuchungen oder Flugverspätungen über drei Stunden haben Passagiere Anspruch auf Ausgleichsleistung, gemessen an der Flugstrecke.“

Mit diesen Rechten sind Passagiere seit 2004 durch die EU-Verordnung 261/2004 geschützt. Aber auch hier gibt es keine Regelung im Falle einer Insolvenz. Sämtliche Ansprüche fallen in die Insolvenzmasse und der Passagier bleibt somit trotz seiner Rechte mittellos. Diese Erkenntnis schmerzt besonders dann, wenn man weiß, dass eine verpflichtende Insolvenzabsicherung für Airlines erst kürzlich im Gespräch war, jedoch abgelehnt wurde.

Gute Nachrichten für Pauschalreisen(de)

Einzig und allein Passagiere die ihren Flug über eine Pauschalreise gebucht haben, müssen zumindest nicht mit finanziellen Verlusten rechnen. Ist der Reisende von einer Flugverspätung, einem Flugausfall betroffen, kann er seine Ansprüche beim Reiseveranstalter geltend machen. Das bedingt ein Vertragsabschluss mit dem Veranstalter – nicht mit der Airline. Wird der Flug einzeln über einen Reiseveranstalter gebucht, ist darauf zu achten, ob dieser nicht nur als Vermittler – nicht als Vertragspartner – zwischen Airline und Kunden fungiert.